Das fünfte Album von De-Phazz
schlägt einige neue Töne an. Es ist zugleich
kerniger und zupackender, dabei immer noch verspielt
und unberechenbar. Eine Art "ungebügelter
Eleganz" schlängelt sich quer durch das gesamte
musikalische Geschehen - das Designerhemd ist durchgeschwitzt,
die Couch ist staubig. "Un ange passé",
die vormals so geliebte Lounge-Fee verschwindet barfuß
tänzelnd über den Asphalt.... Rhythmen sind
robuster geworden, Gitarren und rostige Blues-Harps
drängen sich unverschämt in den Vordergrund,
einfühlsame Chöre geben Fülle. Kompakte
Songs prägen das Album. Doch in den Texten entfaltet
sich das De-Phazz-typische Vexierspiel mit Ironie und
zärtlichem Zynismus.
Und so provoziert "Natural Fake" unvorhersehbare
Begegnungen bei zwielichter Beleuchtung: Körperkontakt,
Reibung; ein steigender Energiepegel - kritische Masse
darf sich entfalten. Kleine Irritationen werden dabei
billigend in Kauf genommen. Im Vergleich zu früheren
Alben ist die Farbdramaturgie noch risikofreudiger geworden.
Schlammiger Delta-Funk, gegen den Strich gebürstete
Garagenchansons, mit lässigem Schwung hingeworfene
Klangstudien - die neuen Songs illustrieren den kurvenreichen
Weg der Band in den vergangenen zwei Jahren. Die weltweite
Bühnenarbeit hat deutliche Spuren hinterlassen.
"Natural Fake" ist ein kontrastreicher Zyklus
aus achtzehn neuen De-Phazz-Klangbildern. Auf einer
erdfarbenen, warmen Grundierung setzen rote und grellgelbe
Tupfer subversive Akzente. Stilistische Brüche
werden mit Haarspray fixiert und selbstbewußt
zur Geltung gebracht.
Pat Appleton vergnügt sich mit fraktaler Computerkunst
der 80er ("Astrud Astronette"), malt in zarten
Pastelltönen eine naive Landschaft bei Biarritz
("Excursion En Mer") und beherrscht selbst
die gepflegte Karikatur ("Garbo Goodbye").
Einflüsse aus ihrer harten Schule als politisch
engagierte Plakatmalerin sind nicht zu verleugnen ("Car
Eats Town").
Karl Frierson portraitiert die "alte Dame Swing"
von ihrer ungeschminkten, erfrischend ordinären
Seite ("Stumble"), skizziert seine Wurzeln
in Kohle und Wachs authentisch auf Sandpapier ("Rise
& Shine","Backstreets Of My Mind")
oder schwelgt auch mal in opulenten Blautönen ("Message
To The Cool").
Barbara Lahr übt sich in der subtilen Kunst der
Hinterglasmalerei ("Eternity Is..."). Großzügige
Farbflächen sind klar gegeneinander abgegrenzt,
erzeugen Nähe durch Distanz. Malen im Schnee unter
den wärmenden Strahlen der Ironie ("Multicoloured
Destiny").
Otto Engelhardt entfaltet mit seinem Posaunenspiel die
mystische Qualität einer japanischen Tuschezeichnung
("Un ange passé"). Seine Leidenschaft
gilt außerdem der frankophonen Kalligraphie sowie
dem Flirt mit virtuellen Walen ("Excursion En Mer").
Mit perspektivischen Zeichnungen stiftet er anmutige
Verwirrung ("Garbo Goodbye", "Car Eats
Town").
Pit Baumgartner arbeitet vorzugsweise mit ungewaschenen
Pinseln. Frische, teils schrille Kleckse auf "alten
Meistern" ("Waste Of Words", "Dépression
Royale", "Who The Pop Cares?"). Aber
auch das akribische "Fälschen" ist seine
Spezialität. Täuschend echt krakelt er sich
durch die Musikgeschichte: Original-Kopien im "Kujau'schen
Stil" ("Close To Jazz", "Make Heaven
My Home").
aus: www.jazzecho.de